Vanja nimmt das Mikrofon in die Hand. Im Foyer der Bibliothek ist ein Stuhlkreis aufgebaut, der sich nach und nach gefüllt hat. In der zweiten Reihe sind allerdings noch ein paar Plätze frei

Danke, dass ihr so vielfältig erschienen seid!! Es freut mich, dass das Thema doch einige zu interessieren scheint!

Vanja strahlt in die Runde

Ich werde eine kleine Einstiegsrede halten, die auch den Einstieg in die Kursrunde einläutet. Wenn ihr Fragen zu irgendwelchen Begriffen oder Themen habt sind die sehr willkommen! Und auch bei der Diskussion hoffe ich jeden zu hören, der reden möchte!

Vanja räuspert sich

Beim Wort “Feminismus” denken viele, Das es ein Thema nur für Frauen sei.

Aber eigentlich bedeutet Feminismus ganz grundlegend, sich für Gleichstellung einzusetzen und engstirnige Rollenbilder zu hinterfragen.

Wir wachsen alle mit sogenannten “Geschlechterrollen” auf, also Erwartungen daran, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat. Dabei werden auch die Geschlechter, die Ausserhalb dieser binären Begriffe liegen grundlegend ausgeschlossen.

Für viele Frauen bedeutet das zum Beispiel, oft mehr Verantwortung im Haushalt zu haben, mehr Anpassungsdruc und häufiger nicht ganz ernst genommen zu werden.

Für viele Männer bedeutet es hingegen, stark sein zu müssen, keine Schwäche zu zeigen, Gefühle eher runterzuschlucken und Nähe eher selten zuzulassen.

Diese Strukturen, die auch Patriarchat genannt werden, setzen beide Seiten unter Druck.

Sie sagen uns, was „richtig“ oder “falsch” ist und lassen wenig Raum für das, was wir eigentlich fühlen oder brauchen.

Als Ergeb kämpfen Frauen oft darum, gehört zu werden und Männer oft damit, überhaupt sagen zu können, wie es ihnen geht.

Feminismus setzt genau an diesem Punkt an!!

Nicht, um jemanden anzugreifen sondern um mehr Freiheit zu schaffen:

für Frauen, selbstbestimmt zu leben,

und für Männer, auch verletzlich sein zu dürfen!!

Vanja sieht begeistert in die Menge

Deshalb möchte ich gerne die Frage in den Raum werfen:  Wo seht ihr im Alltag solche Erwartungen und wem schaden sie eurer Meinung nach am meisten?? Wo hat es euch schon mal geschadet?

      • Die zauberhafte Ilona@lemmy.dorfrollenspiel.de
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        7
        ·
        3 months ago

        Ilona steht auf und lässt die Münze verschwinden.

        Also, ich finde es ehrlich gesagt … nein, ich fange anders an! Für mich bedeutet Feminismus, dass ich mein Leben leben darf, wie ich es möchte. Unabhängig davon, was andere - egal ob Mann oder Frau - davon halten. Das ich anziehen darf, was mir gefällt, nicht was due Gesellschaft von mir erwartet.

        Ilona räuspert sich.

        Ich bin … Zauberkünstlerin und manchmal trete ich Sonntags in Fußgängerzonen auf. Hauptsächlich, weil es mir Spaß macht. Ein bisschen Geld verdiene ich auch damit, aber, ähm, ehrlich gesagt rechnet sich das nicht.

        Ilona schaut traurig.

        Ich habe viel erlebt, in der Zeit, seit ich das mache. Wirklich viel. Ich ziehe mich schick an, wenn ich das mache, trage eins von meinen 💫 Zauberoutfits 💫, zeige auch mal ein bisschen Haut. Weil es mir gefällt, weil ich selbstbewusst bin, wenn ich mich heiß finde. Da gucken die Männer, da gibt es mal einen Kommentar. Da kann ich mit umgehen. Ich bin nicht auf den Mund gefallen.

        Ilona schaut zur Decke und sammelt ihre Gedanken.

        Gestern… wurde ich zum ersten Mal während einem Auftritt “Nutte” genannt. Nicht von einem Mann. Nicht von einer Frau. Von einem MÄDCHEN. Das hat mich erschreckt. Die Härte der Bleidigung, und auch die Härte, mit der sie ausgesprochen worden ist.

        Aber wisst ihr, was am schlimmsten für mich war? Das Mädchen war in Begleitung. Von einem älteren Mann - hoffentlich ihr Vater? - und dieser Mann hat NICHTS gemacht. Der hat mit mir rumgeblödelt, als hätte seine Tochter? mich nicht grade Nutte genannt.

        Eine Stacy musste das übernehmen. Danke, Stacy, falls du hier bist.

        Ilona nickt.

        Feminismus bedeutet für mich, zu sein wer ich bin, ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen. Feminismus bedeutet für mich aber auch, dass die Leute, die mich nicht sein lassen wie ich bin, Konsequenzen bekommen.

        In diesem Moment hätte ich mir gewünscht, dass der Mann das ernst nimmt, statt mit mir rumzublödeln.