Maximilian liegt weiterhin seit seiner gestrigen Einlieferung auf der Intensivstation. Er ist weiterhin vollständig sediert, um seinen Körper, insbesondere das Gehirn, so wenig wie möglich zu belasten.
Er hat ein schweres Schädel Hirn Trauma Grad III. Es bestehen mehrere Blutungen und ausgeprägte Prellungen im Gehirn, vor allem im Stirn und Seitenbereich. In der vergangenen Nacht musste notfallmäßig eine Kraniotomie durchgeführt werden. Die Neurochirurgen haben ein großes Blutgerinnsel entfernt und schwer geschädigtes Hirngewebe versorgt. Seitdem liegt eine Drucksonde im Schädel, die den Hirndruck misst. Dieser ist weiterhin kritisch erhöht, trotz maximaler Therapie mit Medikamenten gegen Hirnschwellung, kontrollierter Hyperventilation, tiefer Sedierung und Muskelentspannung.
Auch die Gesichtsverletzungen sind schwer. Beide Jochbeine waren mehrfach zertrümmert, der Boden der linken Augenhöhle ist eingebrochen, zusätzlich bestehen Brüche von Nase und Oberkiefer. In derselben Operation wurden die Jochbeine mit Platten und Schrauben stabilisiert und links ein Titannetz eingesetzt, um das Absinken des Auges zu verhindern. Beide Augen sind stark geschwollen und blutunterlaufen, das rechte fast geschlossen, das linke vollständig. Aus Nase und Mund treten weiterhin Blut und Sekret aus, die regelmäßig abgesaugt werden müssen.
Der Kreislauf ist nach wie vor instabil. Durch den hohen Blutverlust erhält er weiterhin mehrere Blutkonserven. Sein Blutdruck wird mit Noradrenalin und weiteren Kreislaufmedikamenten unterstützt.
Die Situation stabilisiert sich langsam, auch die Blutübersäuerung geht etwas zurück.
Neurologisch ist Maximilian weiterhin bewusstlos. Er zeigt keine Reaktionen, keine Schutzreflexe wie Husten oder Schlucken. Die Lage ist weiterhin kritisch.
Stacy und Jerome geben sich zum Spaß Schellen, um zu schauen wer mehr aushält.
Hast du das mit maxii dem Weichei gehört?
Ja, voll der Lappen!! Der ist nach den Schellen safe nochmal die Treppe runtergefallen oder so?! Wie Omas, die zu lange keine Aufmerksamkeit bekommen haben
Robin bleibt einen Moment vor der Tür stehen, bevor sie hineingeht. Nicht aus Zögern. Aus Ordnung. So hat sie es sich bei ihrem ersten Fall beigebracht: Einmal durchatmen, alles andere draußen lassen, dann arbeiten. Emotionen haben hier nichts zu suchen. Im Zimmer ist es kühl. Gedämpftes Licht, das grünliche Flackern der Monitore wirft Schatten an die Wand. Der Patient liegt reglos da, verbunden mit mehr Technik, als ein einzelner Körper eigentlich tragen sollte. Sie nimmt ihn nicht als Person wahr. Noch nicht. Erst als System.
Ihr Blick geht automatisch zum Monitor. Die Herzfrequenz ist erhöht, aber gleichmäßig. Der arterielle Druck nur unter Noradrenalin stabil, MAP knapp im Zielbereich. Sauerstoffsättigung stabil. Temperatur grenzwertig. Sie tritt näher an den Tubus, prüft die Fixierung, den Sitz, hört das gleichmäßige Rauschen der Beatmung. Keine Asynchronie. Keine Spontanatmung. Beim Absaugen arbeitet sie langsam und kontrolliert, zieht den Katheter Stück für Stück zurück und behält dabei die Monitorkurven im Blick. Die Sättigung bleibt stabil, die Herzfrequenz reagiert kaum, kein Zeichen von Stress oder Entgleisung. Es ist genau das, was sie sehen will. Ihre Bewegungen sind ruhig, eingespielt, fast automatisch. Dann widmet sie sich dem Kreislauf. Der zentrale Zugang liegt reizlos, keine Rötung, kein Nässen, die arterielle Linie liefert eine saubere, stabile Druckkurve. Sie tastet Hände und Füße kurz ab - kühl, die kapilläre Füllung verzögert, nichts Überraschendes bei dieser Katecholamindosis.
Erst jetzt sieht sie sich den Kopf genauer an. Sie schaut auf die Hirndruckwerte: Weiterhin kritisch. Kein Anstieg, keine Entlastung. Stillstand auf gefährlichem Niveau. Sie weiß, was das bedeutet und denkt es bewusst nicht weiter. Die Sedierung ist tief. Muskelrelaxans läuft. Sie weiß, dass sie nichts finden wird. Trotzdem überprüft sie es. Mit der Lampe tastet sie sich an das rechte Auge heran. Lidspalte kaum zu öffnen, Pupille schwer beurteilbar, aber reagibel. Links keine Beurteilung möglich. Die Schwellung ist massiv, die Haut gespannt, glänzend. Sie prüft vorsichtig den Verband am Schädel - Trocken, keine neue Blutung. Aus der Drainage kommt nur wenig. Es bedeutet nichts Dringendes, aber leider auch nichts Gutes. Es ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass sich nichts bewegt. Beim Absaugen aus Mund und Nase tritt wieder Blut gemischt mit Sekret aus. Sie arbeitet ruhig, ohne Eile, ohne Kommentar. Kein Hustenreiz. Kein Schlucken. Keine Schutzreflexe. Alles deckungsgleich mit der Akte. Sie geht weiter, systematisch. Abdomen weich. Keine Spannung. Magensonde korrekt. Bilanz leicht positiv - Akzeptabel. Extremitäten ohne neue Auffälligkeiten. Sie überprüft die Lagerung, korrigiert den Kopf minimal, kontrolliert Druckpunkte. Kleine Korrekturen, die niemand sieht und die trotzdem zählen.
Eine dunkel gekleidet Gestaltet wartet vor der Intensivstation. Sie will Maxi mitnehmen. Es wurde eine Schelle für Maxi bestellt, Maxi soll seine Schelle bekommen!
Husch husch!
MACHEN SIE VERDAMMT NOCHMAL EINEN ABFLUG!!! SIE STÖREN DIE PATIENTEN Leo, sichtlich genervt diesen seltsamen Mann mal wieder zu sehen verliert außnahmsweise mal seine Coolnes
Leo. Sie sind hier auf einer Intensivstation. Hier wird nicht geschrien. Sie arbeiten hier. Egal ob ein Besucher offiziell geduldet ist oder nicht: so reden Sie niemals mit Menschen. Das ist unprofessionell. Und das darf Ihnen hier nicht noch einmal passieren. Sie machen jetzt Pause. Danach kommen Sie zu mir. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.
Es…tut mir leid.
Ich weiß. Und jetzt machen Sie Pause. Gehen Sie raus, trinken Sie etwas, setzen Sie sich. Zehn, fünfzehn Minuten. Ich will Sie danach wieder arbeitsfähig hier haben.
Brauch Sie eine Schelle…ich kann da einen guten Westminster Gong empfehlen!
Drohen sie mir gerade? Versuchen sie erst garnicht mir Angst zu machen!!!
Niemand weiß, wann die letzte Stunde schlägt. Da ist es doch zumindest gut wenn sie Stilvoll schlägt
Sie müssen jetzt gehen. Der Patient darf zur Zeit keinen Besuch empfangen.
Ich habe Zeit…ich warte
Das können Sie gerne zu Hause tun. Wenn Sie Ihre Telefonnummer im Schwesternzimmer hinterlassen, melden wir uns bei Ihnen, sobald Besuch gestattet ist.
Sie sind weird…
setzt nach seiner Zwangspause die Arbeit fort und wischt wie nötig den Gang mit viel Elan. Anschließend betritt er ausgewählte Zimmer mit Patienten in besserem Zustand und führt einfache Blutdruckmessungen und Blutsauerstoffgehaltsmessungen durch. Anschließend schaut er den anderen über die Schulter
Leo, der eigentlich ein Praktikum hat und dabei direkt Maxi besuchen wollte, seufzt, als er den komischen Schellenweirdo sieht und betritt wenig später Maxis Zimmer Mooin. Weiß, wir hatten noch net soo viel miteinander zu tun aber ich wollt trotzdem mal reinschauen. Oh. Bewusstlos…
Hallo Leo, schön das du Maxi besuchst…
Lara schüttelt grade die Decke für Maxi auf und Deckt ihn dann wieder zu… ob er es merkt, weiß Lara nicht… aber Sie versucht alles um es Maxi gemütlich zu machen
Halloo…Laura dann nehm ich an? Ich kam gestern leider zu spät. Mach hier grad Praktikum.
Lara! Oh cool! Mir gehört das Dorfcafé!
Mit den Franzbrötchen?
Ja genau!
Robin betritt das Zimmer und sieht den Besuch verwundert an.
Der Patient ist im Moment nicht besuchsfähig. Ich habe keine Ahnung wer Sie reingelassen hat, aber sie müssen jetzt gehen. Ich weiß, dass es schwer ist, jemanden so zu sehen. Aber jeder Reiz, jede Stimme, jede Bewegung kann den Zustand gerade verschlechtern. Wenn Sie Ihre Nummer im Schwesternzimmer hinterlassen, melden wir uns, sobald Besuch möglich ist.
Robin bleibt stehen, kaum dass sie Leo im Raum registriert hat. Ihr Blick geht einmal über das Bett, die Monitore, die Druckkurve, dann zu Leo.
Raus.
Sorry…wollt ihn nur kurz besuchen…
Robin schließt die Tür hinter ihnen leise, aber bestimmt. Nicht aus Rücksicht, sondern um einen klaren Rahmen zu setzen.
Wir machen hier keine Besuche. Ärzte und Pflegepersonal sind hier, um zu arbeiten. Nicht, um Nähe zu suchen. Nicht, um Trost zu finden. Und ganz sicher nicht, um eigene Gefühle an Patienten auszuleben. Wenn man Privates und Berufliches nicht trennen kann, hat man auf einer Intensivstation nichts verloren. Sie dürfen hier mitfühlend sein. Respektvoll. Zugewandt. Aber Sie dürfen sich nicht emotional an einen Patienten binden.
Einen Moment lang sagt sie nichts mehr. Und in dieser Pause rutscht etwas in ihr nach vorne, das sie sonst sauber wegschiebt. „Ich habe es getan“, denkt sie. Sie erinnert sich an alles: Seinen Namen, an den Monitor, an die falsche Entscheidung. An das Wissen, dass es ihre Hände waren. Dass sie ihn fast getötet hätte. An das Gefühl danach, das sich nicht mehr abschütteln ließ. An die Nächte, in denen sie bei jedem neuen Fall unwillkürlich wieder dort stand. An die Tatsache, dass es ihm heute gut geht und dass das nichts daran ändert, dass es sie bis heute begleitet. Sie zwingt den Gedanken zurück, bevor er ihr in die Stimme rutschen kann.
Ich werde Ihnen das nicht erlauben. sagt sie dann. Klar und endgültig.
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