Seit langem hat Robin mal wieder einen freien Tag, keinen der spontan gestrichen wird, keinen mit Bereitschaft und Pager in der Tasche, keinen mit dem Gefühl, dass gleich doch noch jemand anruft. Einfach frei. Es ist fast schon ungewohnt. Sie fährt zur WG und merkt erst unterwegs, wie sehr sie sich auf ein paar ruhige Minuten mit Niko gefreut hat.

Vor dem Haus ist es still. Drinnen erfährt sie schnell, dass er nicht da ist. Er ist im Rathaus. Robin runzelt leicht die Stirn. Es ist Sonntag. Seit er das Bürgermeisteramt angenommen hat, sehen sie sich noch seltener als vorher. Sie weiß, dass gerade alles auf ihm lastet. Die Entscheidung mit der Autobahn, die Beschwerden aus dem Dorf, der Papierkram, der sich jeden Tag weiter auftürmt. Sie versteht das alles.

Der rote Audi hält vor dem Gebäude, der Platz davor ist leer, nur in einem der oberen Fenster brennt Licht. Drinnen hallen ihre Schritte durch den Flur, der nach Reinigungsmittel und alten Akten riecht. Sie klopft nicht, sondern drückt einfach die Klinke herunter. Niko sitzt über seinen Unterlagen gebeugt, die Ärmel hochgekrempelt, die Krawatte locker, der Schreibtisch übersät mit Ordnern, Zetteln und halb ausgetrunkenen Kaffeebechern.

Robin bleibt einen Moment im Türrahmen stehen und sieht ihn an. „Hier bist du ja.“ sagt sie und lächelt.

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    8 days ago

    Robin hält sofort inne. Die Hände gehen langsam ein Stück nach oben, offen und harmlos.

    Niemand hat mich gekauft. Und niemand hat mir irgendwas geboten. Ich bin einfach reingegangen. Manchmal ist auffällig am unauffälligsten, oder? Und ganz ehrlich? Wenn irgendwer versuchen würde, mich zu bestechen, wär das ziemlich schlecht investiertes Geld. Ich bin Ärztin, kein Spion. Ich versteh, dass das mit der Autobahn, der Besetzung und dem ganzen Druck viel ist. Aber ich bin nicht dein Gegner.